Die Zukunft steht nicht fest, sie ist gestaltbar. Aber dafür brauchen wir konkrete Bilder und Ziele, die uns beflügeln.
[Projektzeitraum: 01.01.2023 bis 31.07.2025]
Im Projekt „Zukunftsbilder“ kooperieren Wissenschaftler:innen, Kommunikatior:innen und junge Menschen, um verschiedene, wissenschaftlich plausible Zukunftsszenarien für das Jahr 2040 zu entwerfen. Die so entstehenden „Zukunftsbilder“ sollen keine konkreten Vorhersagen darstellen, sondern Visionen präsentieren, die Expert:innen für realistisch halten.
Expert:innen von den Scientists For Future und aus anderen For-Future-Gruppen haben dafür drei verschiedene Perspektiven und vier verschiedene Grundannahmen entwickelt, wie sich das Leben in Deutschland im Jahr 2040 entwickelt haben könnte. Ein Szenario betrachtet, wie sich die Welt entwickeln würde, wenn alles weiter läuft wie bisher (Langsam). Die anderen drei Szenarien (Groß, Graswurzel und Fokussiert) schauen sich positive Zukunftsbilder an, bei denen verschiedene Arten von umfassender Veränderung vorgenommen werden bzw. wurden. Auf Basis dieser Veränderungen erarbeiten die Wissenschaftler:innen mögliche Szenarien der Zukunft und halten ihre Ergebnisse in kurzen Texten fest, die von Künstler:innen mit Illustrationen ausgeschmückt werden.
Ziel des Projekts ist es, befürchtete oder erhoffte Zukünfte greifbar zu machen und Menschen durch positive Denkanstöße zu konkreten Handlungen zu inspirieren.
Die drei Perspektiven der Zukunftsbilder
Alltagsperspektive
Die Alltagsperspektive richtet den Blick auf das konkrete Leben unterschiedlicher Menschen. Ob jung oder alt, mit wenig oder viel Einkommen, mit verschiedenen Bildungswegen, in Stadt oder Land.
Sie fragt: Was bedeutet ein „gutes Leben“ im Jahr 2040? Wie vielfältig und wie global gerecht kann es sein?
Gleichzeitig beschreibt sie, welche Alltagsentscheidungen und Verhaltensweisen die gesellschaftliche Transformation voranbringen können.
Bezüge zu systemischen Veränderungen sind möglich, werden aber in den jeweiligen Systemperspektiven vertieft.
Systemperspektive
Die Systemperspektive betrachtet das Jahr 2040 auf der Ebene von Wirtschaft, Politik und Organisationen.
Sie fragt: Wie entwickeln sich Unternehmen, staatliche Institutionen und gesellschaftliche Akteure? Wie verändern sich Beziehungen, zum Beispiel zwischen Stadt und Land oder zwischen globalen Marktakteuren?
Im zweiten Schritt zeigt sie, welche beruflichen Hebel von Entscheidungsträger:innen die Transformation in den kommenden Jahren voranbringen können.
Bezüge zum Alltag werden in den entsprechenden Alltagsthemen weiter ausgearbeitet.
Planetare Perspektive
Die planetare Perspektive beschreibt die Auswirkungen unseres Handelns auf den Planeten:
Wie verändern sich Klima, Landschaften oder Artenvielfalt bis 2040?
Verbindungen zu politischen Systemen oder zum Alltagsleben sind möglich, werden jedoch jeweils in den passenden Themenbereichen vertieft.
Die vier Zukunftsbilder im Überblick
Zukunftsbild „Groß“ – Unsere Welt nach einer umfassenden Transformation
In den 2020er Jahren forderten die Menschen neue Rahmenbedingungen, um die Pariser Klimaziele und die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen bis 2040 zu erreichen. Wichtig dabei war, soziale und ökologische Fragen gemeinsam zu lösen: Die Grundbedürfnisse aller sollen gesichert sein, Luxuskonsum hingegen nicht.

© Frieder Beckmann/Zukunftsbilder
In Abstimmung mit der Wirtschaft sowie unter starker Bürgerbeteiligung begann der Staat, die Rahmenbedingungen neu zu regeln. Alle ökologischen und sozialen Kosten, die die Produzenten früher an die Gesellschaft auslagerten, mussten sie nun selbst tragen. Durch Lieferkettengesetze und Abgaben an den Grenzen der EU blieb der Welthandel erhalten und andere Länder schlossen sich an. Wir kombinieren grüne Technologien, reduzieren den Konsum und setzen auf eine ökosoziale Kreislaufwirtschaft. Damit ernähren wir uns 2040 überwiegend pflanzlich, bewegen uns vor allem mit kostenlosen, öffentlichen Verkehrsmitteln oder mit dem Fahrrad auf gut ausgebauten Wegen, nutzen ausschließlich erneuerbare Energien und konsumieren und produzieren dank innovativer Konzepte im Bereich Sharing, Reparatur und Recycling nicht nur nachhaltiger, sondern auch weniger.

© Frieder Beckmann/Zukunftsbilder
Zukunftsbild „Graswurzel“ – Wandel durch Menschen und Gemeinschaften
Wirtschaft und Politik waren auch in den 2020er Jahren nicht bereit, die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um die Klima und Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. Deshalb beschlossen immer mehr Bürger:innen, selbst aktiv zu werden und ihr eigenes Verhalten zu ändern.
Um nicht länger auf Kosten künftiger Generationen und anderer Menschen leben zu müssen, stießen sie teils radikale Veränderungen an: Sie verzichteten auf klimaschädliche Lohnarbeit (wie in der fossilen und Werbeindustrie), nutzten vorwiegend klimafreundliche Verkehrsmittel und Heizmethoden, ernährten sich regional und reduzierten ihren Konsum. Dabei vernetzen sich die Menschen mithilfe digitaler Werkzeuge und gründeten neue Start-ups und Genossenschaften. In der Folge änderten sich die politischen Machtverhältnisse und die Gesellschaft entschied sich nach und nach für ein lokales, genossenschaftliches und wachstumsfreies Wirtschaftssystem. Viele Wirtschaftssektoren sind dramatisch geschrumpft, aber zahlreiche nachhaltige Sektoren florieren.
Zukunftsbild „Fokussiert“ – Unsere Welt mit gezieltem Wandel
Die Klimaziele sind in Reichweite, auch viele bedrohte Arten haben sich 2040 wieder etwas erholt. Dabei leben wir in vielerlei Hinsicht wie heute, das persönliche Leben und das Wirtschaftssystem haben sich nur minimal verändert. Dies gelang, weil sich Politik und Menschen auf einige wenige, aber entscheidende Maßnahmen fokussierten:

© Frieder Beckmann/Zukunftsbilder
Die Energiewende ist fast vollendet, außerdem hat sich die vegane Ernährung durchgesetzt. Die Ernährungsumstellung hat die Anbauflächen für Tierfutter und Weideflächen freigemacht. Dadurch stehen nun deutlich mehr Flächen für die Erzeugung von Bioenergie, Aufforstung, renaturierte Moore und Ökolandbau zur Verfügung. Beim Bauen setzen wir auf nachhaltige Materialien, Zement ist praktisch verschwunden. Von der Rohstoffgewinnung über die Herstellung bis zu Nutzung und Entsorgung von Produkten müssen die Kosten für Treibhausgas-Emissionen mit eingepreist werden. Bürger:innenräte haben entscheidend dazu beigetragen, diese Veränderungen durchzusetzen.

© Frieder Beckmann/Zukunftsbilder
Zukunftsbild „Langsam“ – Unsere Welt bei gleichbleibendem Fortschritt
2040 haben wir die Klimaziele weit verfehlt. Die Beharrungskräfte waren zu groß, um rechtzeitige Änderungen einzuleiten. Politikverdrossenheit und Populismus lähmen das Land. Der Ausbau erneuerbarer Energie ging nur langsam voran, 60% der Energie wird noch fossil gewonnen und treibt die Klimazerstörung voran.
Wer es sich leisten kann, pflegt einen verschwenderischen Lebensstil, die Ungleichheit in der Gesellschaft ist noch gestiegen. Wir befinden uns auf einem Pfad, der zum Ende des Jahrhunderts eine globale Erwärmung von 3 bis 3,5 °C erwarten lässt. Klimaanlagen heizen die Städte im Sommer noch mehr auf. Starkregen, Dürren, Hitzewellen und Waldbrände sind nicht mehr selten, Versicherungen dagegen unbezahlbar. Um Wasser werden Kriege geführt. Millionen Menschen fliehen aus Regionen im globalen Süden, die nicht mehr bewohnbar sind; sie landen in unmenschlichen Lagern vor den Grenzen Europas.
Beispiele der Zukunftsversionen
Weitere Texte, insbesondere auch zum Szenario „Fokussiert“, sind auf der Zukunftsbilder-Webseite zu finden.
Groß
Bildung und Weiterentwicklung (Christine Schmidt)
Bildungssystem (Christine Schmidt)
Finanzwesen & Vorsorgesysteme (Dr. Dirk Solte)
Gemeinschaft (Dr. Maria Reinisch und Robert Graeff)
Gesetze und Vorschriften (Dr. Klaus Schmid)
Gesundheitssystem (Felix Bittner, Anne Hübner, Prof. Dr. med. Christian Schulz)
Gesundheit und Sport (Prof. Dr. phil. (habil) Johann Behrens)
Land- und Süßwassersysteme (Prof. Dr. Hubert Weiger)
Parteien, Vereine und NROs (Prof. Dr. Hubert Weiger, Prof. Dr. Tina Heger und Dr. Gregor Hagedorn)
Staatliche Institutionen (Dr. Ute Finckh-Krämer)
Wissenschaft und Forschung (Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Ernst Pöppel)

Mit freundlicher Unterstützung von

