Die Studiengruppe setzt sich wissenschafts- und gesellschaftskritisch mit Fragen von Digitalisierung, Vernetzung und künstlicher Intelligenz (KI) sowie deren gesellschaftlichen Voraussetzungen, Anwendungen, Grenzen und Folgen auseinander. Das umfasst ethische, rechtliche, politische, wirtschaftliche und soziale Fragen von Erforschung, Entwicklung und Anwendung.

Bereits 2018 hat die Studiengruppe eine erste Stellungnahme zu ethischen Fragen der künstlichen Intelligenz vorgelegt.

Gemäß dem Selbstverständnis der VDW ist es ein zentrales öffentliches Interesse, Mensch und Welt gefährdende Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und vernünftige Handlungen zur Gefährdungsabwehr zu ermöglichen. Hierzu kann und muss die Wissenschaft einen wesentlichen Beitrag leisten. Ziel der Studiengruppe ist daher die umfassende und kritische Auseinandersetzung mit möglichen Gefahren von Digitalisierung, Vernetzung und KI.

Ausgehend von einem ganzheitlichen Welt- und Menschenbild diskutieren wir beispielsweise, ob und inwieweit Forschung und Entwicklung zur Erzeugung von KI eine Gefahr bedeutet für:

  • menschliches Leben, Gesundheit, Sicherheit, Würde und Autonomie (auch: Fähigkeiten, Fertigkeiten) sowie
  • den Zugang zu wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und politischer Teilhabe (auch: Kommunikation, demokratische Prozesse).

Die erforderlichen Diskussionen müssen einerseits innerhalb der jeweiligen Anwendungskontexte, anderseits darüber hinaus im Grundsatz gesamtgesellschaftlich und politisch erfolgen.

Die Studiengruppe hat sich in Vorbereitung der VDW-Jahrestagung 2019 zum Thema „Die Ambivalenzen des Digitalen – Zwischen neuen Möglichkeits(t)räumen und (un)bemerkbaren Verlusten“ im Rahmen von Fachkonferenzen, öffentlichen Veranstaltungen und Positionspapieren beschäftigt:

2020 wollen wir diese Arbeiten fortsetzen und in Zusammenarbeit mit verschiedenen Hochschulen vertiefen.

Stellungnahme zu den Asilomar-Prinzipien

Die Studiengruppe legt ihre erste Stellungnahme zu ethischen, politischen und rechtlichen Fragen der Erforschung, Entwicklung und Anwendung künstlicher Intelligenz (Artificial Intelligence; K.I.) vor, wobei sie der allgemeinen oder starken künstlichen Intelligenz besonderes Gewicht beimisst. Dabei bezieht sie sich als Ausgangspunkt auf die am 06. Januar 2017 beschlossenen Asilomar-Prinzipien zu künstlicher Intelligenz, die den aktuellen Stand der von der K.I.-Entwickler Gemeinschaft begonnenen Diskussion zu den oben genannten Fragen gut abbildet.1Mit den Prinzipien identifiziert sich eine sehr große Gruppe der weltweit relevanten Akteure, die in Forschung und Entwicklung künstlicher Intelligenz eingebunden sind. Darunter finden sich viele der in den westlichen Industrieländern maßgeblichen und zum Teil in führenden Funktionen Handelnden.

Die Erforschung, Entwicklung und Anwendung künstlicher Intelligenz können eine fundamentale Gefährdung für die Menschen und ihr friedliches Zusammenleben bedeuten. Es ist im selbstverständlichen öffentlichen Interesse, solche Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und vernünftige Handlungen zur Gefährdungsabwehr zu ermöglichen. Es gehört zum Prinzip von Gefährdungsabwehr, präventiv zu agieren, und zwar bevor Entwicklungen, die eine Gefährdungimplizieren, in eine unumkehrbare Dynamik geraten sind, die eine wirksame Gegensteuerung nicht mehr zulassen. Die Fortschritte auf dem Gebiet der K.I. erzeugen eine solche fundamentale Gefährdung. Dies ist von führenden Spezialistinnen und Spezialisten dieses Forschungsfeldes erkannt worden und hat u.a. zur Formulierung der Asilomar-Prinzipien geführt.

Frank SchmiedchenLeiter Studiengruppe TA Digitalisierung