Die VDW-Studiengruppe „Bildung und Digitalisierung“ geht seit 2016 folgenden Fragen  nach: Welche neuen Herausforderungen stellen sich im Bereich der Bildung im sogenannten digitalen Zeitalter? Was können wir als kritische Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen dazu beitragen, um diese Herausforderungen zu bewältigen.

Auf der Meta-Ebene beschäftigt sich die Gruppe dabei zunächst mit dem Problem der Verengung des bildungspolitischen Diskurses. Die Deutungshoheit einzelner Disziplinen, allen voran der Medienpädagogik, der IT-(Lernmedien)-Entwicklung und der quantitativ orientierten empirischen Bildungsforschung führt zu einem Fokus auf Digital-Chancen. Diese werden oft behauptet, sind aber nur teilweise belegt oder belegbar. Digital-Risiken werden dagegen durch weitgehende Exklusion der Perspektiven anderen Forschungsfelder nicht ausreichend berücksichtigt. Beispiele sind die wichtigen und kritischen Beiträge aus der historischen und philosophischen Bildungsforschung, der Mediensuchtforschung,  der pädiatrischen und entwicklungspsychologischen Medienwirkungsforschung, Neurobiologie,  Bindungsforschung, der Kritik algorithmenbasierter Steuerungssysteme und Datenverwertungsökonomie, sowie der Forschung zu Auswirkungen nichtionisierender elektromagnetischer Strahlung. Eine nicht minder problematische, aber weniger sichtbare Diskursverengung findet statt, wenn die vorgeschlagenen Lösungsansätze für „Digital-Risiken“ sich nicht auf einer breiten, an der Gestaltung einer menschenfreundlichen Umgebung ansetzenden Ebene bewegen. Sie reduzieren sich auf die Ebene rein technischer Verbesserungen, z.B. der besseren Verschlüsselung für mehr Schutz von Schülerdaten, oder der Selbstoptimierung von Individuen im Sinne einer Vermittlung von „Digital-Risiken-Vermeidungs-Kompetenzen“. Die Studiengruppe hat sich intern wie auch öffentlich, durch Veranstaltungen und Publikationen (z.B. mit einem jüngst erschienenen Tagungsband),  für die Einbeziehung und Verknüpfung eines breiten Fächers von Forschungsfeldern engagiert.

Die Studiengruppe will in Zukunft noch verstärkt an eine wichtige Traditionslinie der VDW anknüpfen und für das neue Thema „Bildung und Digitalisierung“ mit Analysen, Stellungnahmen und Veranstaltungen dazu beitragen, dass politische Entscheidungsfindung fundiert erfolgen kann: Das bedeutet,  dass die Ergebnisse einer soliden, transdisziplinären und unabhängigen Technikfolgenabschätzung zur Verfügung stehen müssen, damit weder  naive Digitalisierungs-Euphorie (Stichwort: Digital-KiTa) oder dogmatischer Digitalisierungs-Kulturpessimismus die Zukunftsentscheidungen prägen können.  Eine Zielsetzung der Studiengruppe besteht hierbei darin, die dazu erforderliche Verbreiterung der Basis der Forschungsbemühungen und des interdisziplinären Diskurses zu beschleunigen und auch inhaltlich mitzugestalten.