Project Description

Die Ambivalenzen des Digitalen

 

 

Mensch und Technik zwischen neuen Möglichkeits(t)räumen und (un)bemerkbaren Verlusten

 

 

10. und 11. Oktober 2019 in Berlin

Digitale Technologien sind auf dem Vormarsch, weltweit. Sie dominieren zunehmend die verschiedenen Lebensbereiche: sei es in der Schule mit digitalen Whiteboards und Laptop-Klassen, in der Industrie durch Roboter, im Privaten durch Healthtracker und personalisierte Werbung oder im Gesundheitssystem durch digitale Diagnostik. Befürworter*innen der Digitalisierung versprechen eine zunehmende Effizienz und Transparenz technischer Lösungen für gesellschaftliche Herausforderungen. „Passgenaue Antworten“ auf Armut, Hunger sowie Mangel an Bildung und Gesundheit werden angepriesen. Skeptiker*innen bemängeln, dass Chancen überschätzt und die vielfältigen Risiken und Herausforderungen nur unzureichend adressiert werden.

Durch „Rundumdigitalisierung“ und vermehrte Nutzung sogenannter Künstlicher Intelligenz verändert sich die Art und Weise, wie wir uns als Menschen und die Welt um uns sehen . In welchem Ausmaß und in welcher Form machen wir uns dies überhaupt bewusst und inwieweit wollen wir dies zulassen?

Arbeitswelt: Bereits jetzt sind die Veränderungen durch die Digitalisierung in der Arbeitswelt zu spüren. Eine zunehmende Technologisierung kann Beschäftigte entlasten, wenn Maschinen mühsame und gefährliche Arbeiten übernehmen. Gleichzeitig ist die Angst weit verbreitet, dass der Arbeitsplatz durch sie verloren geht und nicht ersetzt wird[1]. Vor allem im globalen Süden gefährdet eine digitalisierte und industrielle Landwirtschaft Arbeitsplätze und das Einkommen von kleinbäuerlichen Familien, die derzeit 60% der Erzeugnisse produzieren. Zu klären ist, inwiefern der digitale Wandel eine nachhaltige Wirtschafts- und Agrarpolitik für die Stärkung des globalen Südens unterstützen kann.

Bildung: Auch im Bereich der Bildung wird die Technologisierung stark vorangetrieben. Große private Wirtschaftsakteure wie Google oder Facebook nehmen sowohl direkt wie auch indirekt über machtvolle Netzwerkstrukturen Einfluss. Die Hoffnung, dass Digitalisierung soziale Ungleichheiten im Bildungssystem eliminiert, ist ebenso weit verbreitet wie empirisch schlecht belegt. Risiken der Bildschirm-Dominanz für die kindliche Entwicklung bleiben im Diskurs bisher unterbelichtet.

Gesundheit: Im Gesundheitsbereich ist der Zugriff auf die Autonomie, Privatsphäre und Datenhoheit der Menschen bereits besonders sichtbar. Das Verständnis des Menschen als ganzheitliches System wandelt sich zu einer numerischen Betrachtung von Einzeldaten. Schnelle Rechenleistungen können im operativen Bereich der Diagnose und Behandlung hilfreich sein. Jedoch spielen auch ethische Komponenten bei der Technologisierung der Kommunikation zwischen Ärzt*innen und Patient*innen eine Rolle.

Im Rahmen der VDW-Jahrestagung beleuchten wir diese Prozesse in vier Sphären: Gesundes Leben und Teilhabe, Veränderungen für Arbeit und Soziales, Disruptive Technologien in Landwirtschaft und Industrie und Bildung.

Diskutiert werden nicht nur unser Verständnis vom Menschsein in einer digitalisierten Welt, sondern auch Sicherheits- und Freiheitsansprüche. Im Zentrum steht, wie sich Digitalisierung auf unsere soziale und globale Organisation auswirkt. Wir werden verschiedene Möglichkeiten ausloten, wie mit Digitalisierung umgegangen werden kann. Folgende Fragen stehen im Fokus:

    • Wie können erwachsene Menschen digitale Medien als Werkzeug nutzen und trotz algorithmischer Logik selbstbestimmt und selbstverantwortlich handeln? Wann und wie erwerben Kinder diese Fähigkeit?
    • Wie kann Digitalisierung organisiert werden, um ökonomische, soziale und politische Teilhabe zu fördern – und wie kann das Gegenteil verhindert werden?
    • Wie kann der technologische Wandel im Sinne einer menschenwürdigen und inklusiven Digitalisierung gestaltet werden?
    • Wo kann Digitalisierung bestehende lokale und globale soziale Ungleichheiten mindern helfen? Wo droht sie diese zu vergrößern?
    • Wie kann Digitalisierung so reguliert werden, dass langfristig die positiven Auswirkungen auf Mensch und Umwelt überwiegen?
    • Wie können ethische Risiken und Probleme der Digitalisierung thematisiert und sinnvoll angegangen werden?

[1] Finanztrends, 19.04.2018 (Zugriff: 10.04.2019)

Unser Programm

13:00 Uhr       Registrierung

14:00 Uhr       Begrüßung:  Prof. Dr. Carsten Busch, Präsident der Hochschule für Technik und Wirtschaft, Berlin

14:15 Uhr        Eröffnung: Prof. Dr. Hartmut Graßl, VDW-Vorsitzender

14:30 Uhr       Ambivalenzen des Digitalen – Mensch und Technik zwischen neuen Möglichkeits(t)räumen und (un)bemerkbaren Verlusten

  • Prof. Dr. Stefan Bauberger S.J., Professor für Naturphilosophie, Grenzfragen der Naturwissenschaft und Wissenschaftstheorie, Hochschule für Philosophie, München
  • Prof. Dr. Birgit Beck, Leiterin des Fachgebiets Ethik und Technikphilosophie, Technische Universität Berlin
  • Dr. Oliver Putz, Affiliate Scholar, Institute for Advanced Sustainability Studies e.V., Potsdam
  • Alexander von Gernler, Leiter Research genua GmbH, Vize-Präsident der Gesellschaft für Informatik

Moderation: Prof. Dr. Ulrich Bartosch, Professor für Pädagogik, Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt, Vorsitzender des Beirats der VDW

16:10 Uhr        Kaffeepause

16:40 Uhr        Herausforderungen in Anwendungsfeldern von Digitalisierung und Künstliche Intelligenz (Sphäre I-IV)

Einführung: Frank Schmiedchen, Leiter der VDW-Studiengruppe TA Digitalisierung

Sphäre I          Gesundes Leben und Teilhabe

  • Erika Feyerabend, Hochschule Düsseldorf, Gen-Ethisches Netzwerk
  • Prof. Dr. Gabriele Meyer, Leiterin des Instituts für Gesundheits- und Pflegewissenschaft, Universität Halle-Wittenberg
  • Sylvia Johnigk, Geschäftsführerin der secucat – Informationssicherheit GmbH

Moderation: N.N. (VDW-Studiengruppe Öffentliche Gesundheit)

Sphäre II         Disruptive Technologien in Landwirtschaft und Industrie

  • Dr. Angelika Hilbeck, Leiterin der Forschungsgruppe Umweltbiosicherheit und Agrarökologie, ETH Zürich
  • Dr. Rainer Engels, Leiter des Sektorvorhabens Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung, Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit
  • N.N., Plattform Industrie 4.0/BDI
  • Prof. Dr. Klaus Peter Kratzer, Professor für Informatik, Technische Hochschule Ulm
  • Stig Tanzmann, Referent für Ernährungssicherheit & Biodiversität

Moderation: Christian Rauch, Wissenschaftsjournalist, Gründer der Amina Stiftung

Sphäre III        Veränderungen für Arbeit und Soziales

  • Dr. Christian Kellermann, Geschäftsführer, Institut für die Geschichte und Zukunft der Arbeit
  • Thomas Fischer, Abteilungsleiter Grundsatzfragen und Gesellschaftspolitik beim DGB Bundesvorstand
  • Prof. Dr. Heinz Stapf-Finé, Professor für Sozialpolitik Alice-Salomon-Hochschule; Akademischer Leiter der Paritätischen Akademie Berlin

Moderation: Angelika Sülzen, VDW-Studiengruppe TA Digitalisierung

Sphäre IV        Bildung

  • PD Dr. Sigrid Hartong, Helmut-Schmidt-Universität, Hamburg
  • Prof. Dr. Jörn Loviscach, Professor für Ingenieurmathematik und technische Informatik, Fachhochschule Bielefeld
  • Brigitte Pemberger, Echt dabei – Gesund groß werden im digitalen Zeitalter

Moderation: Prof. Dr. Paula Bleckmann, Leiterin der VDW-Studiengruppe Digitalisierung und Ökonomisierung von Bildung

19:30 Uhr        Empfang

19:30 Uhr        Prof. Dr. Hartmut Graßl, Vorsitzender der VDW e.V.

19:45 Uhr        Reiner Hoffmann, Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes

20:15 Uhr        Buffet und Networking

09:00 Uhr        Podiumsdiskussion zu den Ergebnissen in den Sphären

  • Prof. Dr. Paula Bleckmann, Leiterin der VDW-Studiengruppe Digitalisierung und Ökonomisierung von Bildung
  • Prof. Dr. Eberhard Göpel, Leiter der VDW-Studiengruppe Gesundheit
  • Frank Schmiedchen, Leiter der VDW-Studiengruppe TA Digitalisierung
  • Thomas Fischer, Abteilungsleiter Grundsatzfragen und Gesellschaftspolitik beim DGB Bundesvorstand

Moderation: Prof. Dr. Malte Rehbein, Lehrstuhl für Digital Humanities, Universität Passau

10:30 Uhr        Kaffeepause

11:00 Uhr        Regulierende Gestaltung in der vernetzten Welt: Wirtschaft, Arbeit, Soziales

  • Sven Hilbig, Referent für Welthandel, Brot für die Welt
  • Susanne Dehmel, Mitglied der Geschäftsleitung Recht & Sicherheit, Bitkom e.V. (angefragt)
  • Christoph Spennemann, Officer-In-Charge Intellectual Property Unit, Division on Investment and Enterprise, United Nations Conference on Trade and Development (UNCTAD)
  • Prof. Dr. Enzo Weber, Lehrstuhl für Empirische Wirtschaftsforschung, Universität Regensburg; Forschungsbereichsleiter IAB Nürnberg (angefragt)
  • Dr. Annette Niederfranke, Direktorin der Internationalen Arbeitsorganisation, ILO-Repräsentantin in Deutschland

Moderation: N. N. (HTW)

13:00 Uhr        Mittagessen

14:00 Uhr        Ethische Fragestellungen zu den Auswirkungen der Digitalisierung

  • Prof. Dr. Thomas Schmaus, Professor für philosophische Anthropologie, Leiter des Instituts für philosophische und ästhetische Bildung, Alanus Hochschule
  • Prof. Dr. Ina Schieferdecker, Fraunhofer Institute for Open Communication Systems FOKUS (angefragt)
  • Prof. Dr. Ralf Lankau, Professor für Mediengestaltung und Medientheorie, Hochschule Offenburg
  • Dr. Dieter Korczak, Former President der European Society for Opinion and Marketing Research (ESOMAR)
  • Prof. Dr. Steffen Augsberg, Justus-Liebig-Universität Gießen, Mitglied im Deutschen Ethikrat (angefragt)

Moderation: N.N. (HTW)

15:30 Uhr        Kaffeepause

16:00 Uhr        VDW-Verabredungen zum follow-up-Prozess:
Moderation: Prof. Dr. Ulrich Bartosch, Professor für Pädagogik, Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt, Vorsitzender des Beirats der VDW

17:00 Uhr       Abschlussworte und Ausblick des VDW-Vorsitzenden Prof. Dr. Hartmut Graßl

17:15 Uhr        Ende der Veranstaltung

Bildnachweis © Pixabay.com Geralt

Die Tagung wird organisiert von den drei VDW-Studiengruppen

Digitalisierung und Ökonomisierung der Bildung

Öffentliche Gesundheit

Technikfolgenabschätzung der Digitalisierung

Eine Veranstaltung der

in Zusammenarbeit mit

Amina-Stiftung