Bericht: VDW Vortrag zu Wissenschaft in Zeiten globaler Krisen | 22. Juni 2026 | University Future Festival: Under Pressure

Wie frei kann Wissenschaft in Zeiten globaler Krisen noch sein? Wann wird Vorsicht zur Einschränkung? Und welche Rolle sollte Wissenschaft in politischen Entscheidungsprozessen spielen?

Diese Fragen standen im Zentrum einer Diskussion beim University Future Festival am 22.06.2026. Dort stellte die Vereinigung Deutscher Wissenschaftler (VDW) ihre Perspektiven auf aktuelle Herausforderungen wissenschaftlicher Arbeit vor. Im Mittelpunkt stand das Hamburger Manifest der VDW, das die Bedeutung von Wissenschaftsfreiheit und wissenschaftlicher Verantwortung betont.

An der Diskussion nahmen der Klimatologe und VDW-Beiratsvorsitzende Prof. Dr. Hartmut Graßl, Professorin für Soziale Arbeit und VDW-Vorstandsmitglied Prof. Dr. Alexandra Retkowski sowie die VDW-Geschäftsführerin Dr. Maria Reinisch teil. Moderiert wurde das Gespräch von Heike Bartholomäus, Leiterin des Zentrums für wissenschaftliche Weiterbildung der BTU Cottbus-Senftenberg.

Vor dem Hintergrund zunehmender geopolitischer Spannungen und globaler Krisen wurde deutlich: Die Wissenschaft steht unter wachsendem Druck und gleichzeitig in wachsender Verantwortung.

Verantwortung der Wissenschaft

Das Hamburger Manifest bildet die Grundlage der Diskussion. Es fordert Wissenschaft im Dienst von Frieden, Verantwortung und globaler Kooperation. Zugleich ruft es dazu auf, die Freiheit der Forschung zu schützen, wissenschaftsfeindlichen Tendenzen entgegenzutreten und die Verantwortung der Wissenschaft für Frieden, Nachhaltigkeit und globale Gerechtigkeit zu stärken.

Ergänzend betonte Frau Retkowski Wissenschaft müsse offen für unterschiedliche Positionen bleiben und diese kritisch reflektieren.

Internationale Zusammenarbeit unter Druck

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der internationalen Wissenschaftskooperation. Geopolitische Konflikte führen zunehmend zu Unterbrechungen bestehender Forschungsnetzwerke. Beispiele laut Reinisch seien der Abbruch von Kooperationen mit Russland, sinkende Forschungsbudgets insbesondere in den USA sowie eine verstärkte Prüfung internationaler Kooperationen durch Hochschulen. Vor allem im Kontext von Dual-Use-Forschung entstünden neue Unsicherheiten im wissenschaftlichen Arbeiten.

Gleichzeitig wurde betont, dass globale Herausforderungen wie Klimawandel oder KI-Governance nur international gelöst werden können. Wissenschaftler:innen fungierten dabei als „natürliche Botschafter“ über Ländergrenzen hinweg

Wissenschaft und politische Verantwortung

Auch die Rolle der Wissenschaft in politischen Prozessen wurde diskutiert. Wissenschaft liefere wichtige Erkenntnisse und warne frühzeitig vor zukünftigen Entwicklungen, etwa beim Klimawandel. Graßl unterstrich dabei die Verantwortung der Wissenschaft ihre Ergebnisse auch durch verständliche Kommunikation in die Öffentlichkeit tragen.

Reinisch betonte gleichzeitig, dass politische Entscheidungen weiterhin Aufgabe demokratischer Institutionen blieben. Wissenschaft solle Orientierung geben, aber nicht selbst Politik ersetzen.

Fazit: Freiheit als Grundlage von Fortschritt

Zum Abschluss betonte Graßl, dass Einschränkungen wissenschaftlicher Freiheit langfristig auch die Innovationskraft gefährden könnten. Offene Wissenschaft und internationale Zusammenarbeit seien zentrale Voraussetzungen für gesellschaftlichen Fortschritt.

Hartmut Graßl Klimasymposium 2015

Prof. Hartmut Graßl

Prof. Alexandra Retkowski

Dr. Maria Reinisch

Heike Bartholomäus