26.März 2026 | Zusammen mit Prof. Hubert Weiger & Dr. Maria Reinisch

Die Energiewende bietet Bürger: innen, Kommunen und Landkreisen, wie dem Rhein-Hunsrück-Kreis, vielfältige Chancen: Sie ermöglicht niedrigere Energiekosten, stärkt die regionale Unabhängigkeit und leistet einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Gleichzeitig stehen Kommunen und unsere Gesellschaft vor neuen Herausforderungen. Zunehmende Extremwetterereignisse wie Starkregen, Hochwasser und zunehmende Trockenperioden machen deutlich, wie wichtig ein vorausschauendes und gemeinschaftliches Handeln ist.

Vor diesem Hintergrund fand am 26. März 2026 die Online-Veranstaltung „Mitmachen, profitieren – gemeinsam für einen starken Rhein-Hunsrück-Kreis! statt. Organisiert wurde die Veranstaltung im Rahmen des Projekts EnerVi. Rund 30 Teilnehmende aus unterschiedlichen Stakeholdergruppen – darunter Klimamanager: innen, Ortsbürgermeister: innen, wissenschaftliche Referent: innensowie Bürger: innen nahmen an dem Austausch teil.

Die Moderation übernahm Dr. Maria Reinisch, Leiterhin des Arbeitspakets „Partizipation und Kommunikation“ von EnerVi und Geschäftsführerin der VDW,. Als Referent war Prof. Hubert Weiger, Ehrenvorsitzender des BUND Naturschutz in Bayern sowie des BUND e.V., eingeladen. Er blickt zurück auf jahrzehntelange Erfahrung im verbandlichen Naturschutz und in der Politikberatung.

Zu Beginn der Veranstaltung begrüßten die Ortsbürgermeister*innen der Projektkommunen Külz und Neuerkirch, im Rhein-Hunsrück-Kreis,  die Teilnehmenden. Sie hoben die erfolgreiche Zusammenarbeit im Projekt EnerVi hervor, aus der bereits innovative Lösungsansätze entstanden sind.

Vorstellung des Projekts EnerVi

Im Rahmen eines Impulsvortrags präsentierte Dr. Reinisch das Projekt „Individualisierte Visualisierung von Energiewendemaßnahmen (EnerVi)“, gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) sowie dessen zentrale Ansätze. Ziel des Projekts ist es, Bürger:innen die Auswirkungen von Energiewende und Klimawandel verständlich und greifbar zu machen.

Ein zentrales Element ist dabei eine interaktive Website sowie ein KI-gestütztes Tool, mit dem anhand eigener Fotos mögliche Veränderungen im direkten Lebensumfeld visualisiert werden können. So wird ein niedrigschwelliger, auch spielerischer Zugang zu individuellen Energiewendemöglichkeiten und nachhaltigem Handeln geschaffen, indem aufgezeigt wie, wie Alle im ganz einfach von der Energiewende profitieren können.

Darüber hinaus legt das Projekt großen Wert auf aktive Mitgestaltung: Bürger:innen, sowie weitere Stakeholder aus der organisierten Zivilgesellschaft bringen ihr Wissen und  Expertise , innerhalb von Workshops vor Ort ein, entwickeln Ideen und erarbeiten weiterführende Lösungen.

„Energiewende mit Herz und Hirn: Unser Projekt EnerVi befähigt Menschen, ihre Möglichkeiten zu verstehen und die Energiewende aktiv mitzugestalten!“

Dr. Maria Reinisch , Teilprojektleiterin von EnerVi & Geschäftsführerin der VDW

Impulsvortrag von Prof. Hubert Weiger

Im Anschluss sprach Prof. Hubert Weiger zum Thema „Hochwasserschutz durch Schwamm-Landschaften“.

Zunächst erläuterte er die Entstehung von Hochwasserereignissen und kritisierte den bisherigen Umgang mit Wasser. Maßnahmen wie Begradigungen von Flüssen, schnelle Ableitung und Entwässerung hätten langfristig negative Folgen wie Bodenverdichtung. Der Verlust von Humus sowie zunehmende Flächenversiegelung verschärften die Problematik zusätzlich.

Als Lösungsansatz stellte Weiger die Wiederherstellung eines natürlichen Landschaftswasserhaushalts vor. Schwammlandschaften können Wasser aufnehmen, speichern und zeitverzögert wieder abgeben, wodurch Hochwasserspitzen reduziert werden. Er präsentierte konkrete Maßnahmen für Landwirtschaft und Kommunen sowie Ansätze zur Renaturierung von kleinen Gewässern und Fließgewässern.
Besonders betonte er die Bedeutung integrierter Ansätze, die ökologische, ökonomische und gesellschaftliche Aspekte verbinden und dabei vielfältige Synergien für Alle schaffen.

„Wer Wasser in der Landschaft hält, schützt Klima, Böden und Artenvielfalt gleichzeitig.“

Prof. Dr. Hubert Weiger , VDW Vorstandsmitglied & Ehrenvorsitzender des BUND

Diskussion und Austausch

Im anschließenden Diskussionsteil hatten die Teilnehmenden die Möglichkeit, Fragen zu stellen und eigene Erfahrungen einzubringen.

Dabei wurde deutlich, dass es zwar grundlegende Standards für Renaturierungsmaßnahmen gibt, diese jedoch regional angepasst werden müssen. Eine engere Zusammenarbeit zwischen Kommunen und Umweltverbänden wurde als besonders sinnvoll hervorgehoben.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf dem vorgestellten EnerVi KI-Tool. Während es derzeit vor allem zur Visualisierung von Klimaanpassungsmaßnahmen dient, äußerten Teilnehmende den Wunsch, künftig auch konkrete Lösungsansätze oder Kostenschätzungen integrieren zu können. Diese Perspektive wurde als vielversprechend, aber zugleich technisch und konzeptionell anspruchsvoll eingeschätzt.

In Bezug auf die praktische Umsetzung von Renaturierungsprojekten wurden verschiedene Herausforderungen diskutiert. Als wichtige Orientierungspunkte wurden bestehende Projekte, rechtliche Rahmenbedingungen, wie die europäische Wasserrahmenrichtlinie sowie die Zusammenarbeit mit zuständigen Behörden genannt. Dabei wurde betont, dass die Verantwortung für die Umsetzung maßgeblich bei den Kommunen liegt und entsprechende Fördermöglichkeiten genutzt werden sollten.

Auch die Rolle der Landwirtschaft wurde als zentral für eine nachhaltige Landschaftsentwicklung hervorgehoben. Gleichzeitig wurden Defizite im Bodenschutz thematisiert, insbesondere im Hinblick auf unzureichende gesetzliche Regelungen und die Folgen von Erosion. Fragen der Haftung bei Schäden erwiesen sich als komplex und in der Praxis oft schwer eindeutig zu klären.

Abschließend wurde die Bedeutung eines überregionalen und kooperativen Ansatzes betont, insbesondere bei Gewässern, die über kommunale Grenzen hinausgehen. Die Diskussion machte deutlich, dass erfolgreiche Klimaanpassung eine enge Zusammenarbeit verschiedener Akteure sowie langfristige, gemeinwohlorientierte Strategien erfordert.

Die Veranstaltung hat wichtige Impulse geliefert und neue Perspektiven für Energiewende und Hochwasserschutz aufgezeigt. Wir danken unseren Referent:innen und allen Teilnehmenden herzlich für den engagierten und konstruktiven Austausch.