Die VDW trauert um ihr Mitglied, die Mikrobiologin Prof. Dr. Kathryn Nixdorff (1940-2026), eine Vorreiterin für eine verantwortungsvolle Forschung in den Lebenswissenschaften
Am 23. März 2026 starb Kathryn Nixdorff, emeritierte Professorin für Mikrobiologie und Genetik an der TU Darmstadt. Sie war VDW-Mitglied und Mitglied der deutschen Pugwash-Gruppe und eine Vorreiterin für eine verantwortungsvolle Forschung in den Lebenswissenschaften.
Kathryn wurde am 3. August 1940 in Florida/USA geboren und promovierte 1967 an der University of Florida in Gainesville, wo sie ihren späteren Mann, den Politikwissenschaftler Peter Nixdorff kennenlernte. Nach einer Dozentur an der University of Kentucky und einem Humboldt-Stipendium am Max-Planck-Institut für Immunbiologie in Freiburg in den 1970er Jahren kam sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin an die TU Darmstadt. Nach ihrer Habilitation wurde sie 1986 Professorin für Mikrobiologie und Genetik in Darmstadt, wo sie bis zu ihrem Ruhestand forschte und lehrte.
Als Fachwissenschaftlerin setzte sie sich lange Zeit für verantwortungsvolle Forschung in den Bio- und Lebenswissenschaften ein. 1987 gehörte sie, zusammen mit Professor*innen aus verschiedenen Disziplinen, zu den Gründungsmitgliedern der „Interdisziplinären Arbeitsgruppe Naturwissenschaft, Technik und Sicherheit“ (IANUS) an der TU Darmstadt, die unter dem Eindruck der massiven Aufrüstung im Kalten Krieg zusammen mit weiteren Forschungsgruppen in Hamburg, Kiel, Bochum und München ihre Arbeit aufnahm. IANUS untersuchte die Ambivalenz und den Dual-Use-Aspekt von Forschung und Technik, die bei der Entwicklung von Waffen und der Proliferation von Massenvernichtungswaffen, aber auch für Rüstungskontrolle, Verifikation und Abrüstung nach dem Kalten Krieg Bedeutung erlangten. Dafür erhielt IANUS im Jahr 2000 den Göttinger Friedenspreis. Kathryn arbeitete sehr aktiv mit in dem 1996 gegründeten „Forschungsverbund Naturwissenschaft, Abrüstung und internationale Sicherheit“ (FONAS), in dem Wissenschaftler*innen aus verschiedenen Fachgebieten zusammenfanden. Trotz der eingeleiteten Friedensperiode war klar, dass die wissenschaftlich-technische Dynamik in Bezug auf den militärischen Einsatz nicht gebrochen war und für weitere Friedensbedrohungen sorgen könnte.
Fachlich widmete sie sich insbesondere dem Dual-Use-Aspekt in den Bio- und Lebenswissenschaften. Sie beschäftigte sich mit den Risiken und Beschränkungen biologischer Waffen und damit verbundenen wissenschaftlich-technischen Entwicklungen. Sie war an zahlreichen Publikationen und Studien beteiligt. Ihr Rat war gefragt bei der Leopoldina, dem Büro für Technikfolgenabschätzung beim Deutschen Bundestag, sowie im Umfeld der BWÜ-Verhandlungen. Ihre ruhige und sachliche Art brachte ihr viel Anerkennung bei Regierungen und zivilgesellschaftlichen Gruppen. Sie nahm als Expertin an einigen Pugwash-Tagungen teil, so im Jahre 2002 in San Diego/USA und ein Jahr später an der 53. Pugwash Tagung in Halifax/Kanada. Zusammen mit ihrem Mann, der als Politikwissenschaftler die Arbeit seiner Frau auch intellektuell sehr unterstützte, besuchte sie mit der deutschen Delegation (siehe Foto) das Anwesen des kanadischen Millionärs Cyrus Eaton, in dem die 1. Pugwash-Tagung 1957 stattgefunden hatte und in dem heute ein kleines Nobelpreis-Museum zu finden ist.
Im Ruhestand lebten Kathryn und ihr Mann in Berlin. Sie engagierte sich weiterhin für ihre Themen und die Förderung von Bewusstseinsbildung innerhalb der wissenschaftlichen Ausbildung und im Themenfeld Biosecurity. Mit ihrer ruhigen und konzentrierten Arbeitsweise, ihrer amerikanischen Offenheit und Optimismus sowie ihrem freundlichen Wesen sowie ihrer Bescheidenheit war sie Vorbild für viele Mitarbeiter*innen und Kolleg*innen. Sie wird der naturwissenschaftlichen Friedensforschung sehr fehlen.
Von Götz Neuneck, Vorsitzender der VDW, 26. April 2026

Copyright: Götz Neuneck
Teilnehmer der deutschen Delegation bei der Pugwash Jahrestagung 2003 vor dem Haus, in dem 1957 das erste Pugwash-Treffen im kleinen Fischerdorf Pugwash/Nova Scotia stattfand. Von links nach rechts: Moritz Riede, Mark Suh (Südkorea), Peter und Kathryn Nixdorff sowie Götz Neuneck