Die VDW-Gemeinschaft trauert um ihr langjähriges Mitglied, die Biologin und Umweltexpertin Christine von Weizsäcker, die am vergangenen Freitag im Alter von 82 Jahren verstorben ist. Sie war eine für die VDW prägende Figur, die über lange Zeit aktiv und beratend im Vorstand, Beirat und in Studiengruppen tätig war. 2024 erhielt sie für ihre Verdienste die Max-Born-Medaille der VDW.

In Pforzheim als Christine Radke geboren, studierte Christine von Weizsäcker nach ihrem Abitur in Lörrach klassische und molekulare Biologie in Freiburg, Köln und Edinburgh. Sie verbrachte als Studentin mehrmals ihre Semesterferien bei einer Gastfamilie in Tansania am Victoria-See. Kultur und Natur Afrikas beeinflussten sie nachhaltig. In den 1980er Jahren war sie Gründungsmitglied der Heinrich-Böll-Stiftung und wurde in das Kuratorium der Stiftung Warentest berufen, wo sie die Einführung von Umweltkriterien voranbrachte. Insbesondere Christine von Weizsäcker führte damals das Kriterium „Fehlerfreundlichkeit“ in die Technikbewertung ein. Sie entwickelte ein Solidaritätsnetzwerk mit Frauen aus Afrika mit dem Ziel, deren Stimmen zum Schutz ihres Lebensraumes auf internationaler Ebene hörbar zu machen. Durch ihre Verbundenheit insbesondere mit indigenen Völkern genoss sie ein hohes Vertrauen und die Anerkennung bei vielen Delegationen. Als Thema ihres kreativen „Graswurzel-Ansatzes“, der zudem vereinbar sein musste mit den jeweiligen familiären Herausforderungen, ist dies die Einführung einer „citizen science“. Herausragend ist ihr Einsatz für Biodiversität, bürgernahen Umwelt- und Naturschutz, Verbraucher- und Ernährungspolitik und Gen-Ethik. Seit dem Erdgipfel von Rio 1992 hat sie aktiv die internationalen Biodiversitätsverhandlungen (CBD) begleitet und sich immer wieder dazu zu Wort gemeldet. Sie half entscheidend mit, den Vertreter:innnen von Nicht-Regierungs-organisationen mehr Einfluss auf den Abstimmungs- und Entscheidungsprozess bei internationalen Verhandlungen zu ermöglichen. Sie trat stets dafür ein, dass Wissenschaft alleine nicht ausreicht, um Politik zu beraten, sondern besonders weitsichtig, klug und gut vernetzt vorgehen muss.

Darüber hinaus hat sie sich einen Namen in Bezug auf die ethischen Risiken von Gentechnik gemacht. Sie wirkte mit bei der Ausgestaltung des Cartagena-Protokolls, das die biologische Sicherheit international regelt. Ihre Funktionen und Mitgliedschaften zeigen hohes Engagement, Bürgernähe und netzwerknahen Gestaltungswillen. Dafür hat sie vielfältige Ehrungen erhalten, so z.B. die Umweltpreise von B.A.U.M (2017) und „Trophée de femmes“ (2014), den Nachhaltigkeitspreis der Neumarkter Lammsbräu (2012), den Bayrischen Naturschutzpreis (2009), und den Kant-Weltbürger-Preis der Freiburger Kantstiftung (2006). Seit 1969 war sie mit E.U. von Weizsäcker verheiratet. Gemeinsam haben sie fünf Kinder.

Die VDW wird die Leistungen von Christine von Weizsäcker für die Weltgesellschaft und die VDW nicht vergessen, ihr Erbe pflegen und weiterentwickeln.

Die VDW, Vorstand und Beirat, sprechen der Familie und den Freunden ihr tief empfundenes Beileid aus. Wir alle werden Christine von Weizsäcker vermissen.

Für den Vorstand und Beirat

Prof. Dr. Götz Neuneck, VDW-Vorsitzender

Prof. Hartmut Graßl, Vorsitzender des Beirats

Christine von Weizsäcker, Götz Neuneck, Ernst Ulrich von Weizsäcker und Hartmut Graßl bei der Verleihung der Max-Born-Medaille