Workshops des Projekts KOMM-WÄRME im Rahmen des Jahrestreffen 2026 des Forschungsnetzwerks Energiesystemanalyse | 29. April 2026 | Bericht

Welche Rolle spielen unterschiedliche Perspektiven und Handlungsmöglichkeiten beim Umstieg auf eine nachhaltige Wärmeversorgung in Kommunen und welchen Beitrag kann die Energiewendeforschung dazu leisten?
Am 29. April 2026 beteiligte sich unser Projekt KOMM-WÄRME mit zwei Workshops am Jahrestreffen des Forschungsnetzwerks Energiesystemanalyse in Berlin.
Hintergrund: Die Forschungsnetzwerke Energie bilden die breite Energieforschungslandschaft in Deutschland ab und sind als dialogorientierte Plattformen zwischen Forschung, Politik und Wirtschaft, gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, etabliert.
Ziel war es, das Projekt vorzustellen, zentrale Zwischenergebnisse zu präsentieren und gemeinsam mit Fachteilnehmenden aus Wissenschaft und Forschung in den Austausch zu kommen.
Vorgestellt wurden zwei der drei zentralen Arbeitspakete des Projekts: AP1 „Kommunale Wärmewende visionieren“, präsentiert von Dr. Maria Reinisch (Vereinigung Deutscher Wissenschaftler, VDW), sowie AP2 „Instrumente der kommunalen Wärmewende als Maßnahmenbündel“, vorgestellt von Dr. Dirk Scheer (Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse, ITAS).
Zudem stellte Vanessa Schmieja (Forschungszentrum Jülich, FZJ) das Projekt ExtrA vor, dass sich mit der Rolle von Extremereignissen für die gesellschaftliche Akzeptanz nachhaltiger Wärmeversorgung beschäftigt.
Gemeinsam begrüßten die drei Referent:innen die Teilnehmenden und stellten, den Ablauf des Workshops vor.
KOMM-WÄRME: Ein Projekt für die erfolgreiche kommunale Wärmewende
Zu Beginn wurde das Projekt KOMM-WÄRME vorgestellt. Ein zentraler Ansatz des Projekts ist es, technische, politische und gesellschaftliche Perspektiven zusammenzubringen und damit sowohl rationale als auch emotionale Zugänge zur Wärmewende zu berücksichtigen. Ziel dabei ist es, die kommunale Wärmewende als sozio-technischen Prozess besser zu verstehen und aktiv durch verständliche Kommunikation, fundierte Analysen und praxisnahe Unterstützung von Kommunen zu gestalten und voranzubringen. Dafür steht insbesondere die enge Zusammenarbeit mit Kommunen und Bürger: innen im Fokus.
Visionen entwickeln und Menschen erreichen
Dr. Maria Reinisch (VDW) stellte das erste Arbeitspaket „Kommunale Wärmewende visionieren“ sowie erste Zwischenergebnisse vor. Ziel dieses Arbeitspakets ist es, die Wärmewende verständlich und motivierend zu vermitteln und gemeinsam mit lokalen Akteur: innen konkrete Zukunftsbilder zu entwickeln. Sie berichtete von bereits durchgeführten Workshops mit über 100 Teilnehmenden, in denen gemeinsam Visionen einer gelungenen Wärmewende erarbeitet wurden. Ein zentraler Ansatz dabei ist es, „Herz und Hirn zu verbinden“, also sowohl rationale als auch emotionale Zugänge zu berücksichtigen. Zudem wurden typische Blockaden und Herausforderungen identifiziert, die einer erfolgreichen Umsetzung entgegenstehen. Perspektivisch sollen die entwickelten Visionen stärker in die breite Öffentlichkeit getragen und in die Bevölkerung vermittelt werden.
Maßnahmen verstehen und wirksam gestalten
Das zweite Arbeitspaket „Instrumente der kommunalen Wärmewende als Maßnahmenbündel“, vorgestellt von Dr. Dirk Scheer (ITAS), widmet sich der Analyse politischer Instrumente und Maßnahmen zur Wärmewende. Im Projekt wurden zahlreiche Instrumente identifiziert und systematisch eingeordnet, mit dem Ziel, diese besser bewertbar zu machen und Kommunen sowie politischen Akteuren fundierte Entscheidungsgrundlagen bereitzustellen.
Dabei wurde betont, dass eine erfolgreiche Transformation nicht durch einzelne Maßnahmen erreicht werden kann, sondern durch gut aufeinander abgestimmte Maßnahmenbündel. Als Zwischenergebnisse stellte Scheer bereits ausgearbeitete Steckbriefe zu einzelnen Maßnahmen vor.
Vanessa Schmieja (FZJ) präsentierte erste Ergebnisse aus dem Projekt ExtrA. Dort wird die gesellschaftliche Akzeptanz verschiedener Wärmeversorgungsmöglichkeiten und ihre Veränderbarkeit durch Extremereignisse untersucht. Mittels bevölkerungsrepräsentativer Umfragestudien wird analysiert, wie sich die Bereitschaft, die Wärmewende aktiv mitzugestalten, im zeitlichen Verlauf verändert und welche Rolle Extremereignisse wie Symptome des Klimawandels dabei spielen.
Workshop: Gemeinsame Visionen und tragfähige Lösungen entwickeln (KOMM-WÄRME, VDW)
Im Workshop des Arbeitspakets 1, geleitet von Dr. Maria Reinisch (VDW) und unterstützt von Jahn Harrison (KOMM-WÄRME), stand die Frage im Mittelpunkt, wie tragfähige Visionen für die kommunale Wärmewende entwickelt werden können. Ziel war es, „Hirn“ (Fakten), „Herz“ (Werte und Bedürfnisse) und „Blockaden“ (Umsetzungshemmnisse) systematisch miteinander zu verbinden. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde arbeiteten die Teilnehmenden mit einem strukturierten Steckbrief. Unter „Hirn“ wurden zentrale Argumente wie Versorgungssicherheit, Klimaschutz und geopolitische Unabhängigkeit gesammelt, unter „Herz“ standen Werte wie Lebensqualität, Selbstwirksamkeit und Sicherheit im Fokus. Als „Blockaden“ wurden insbesondere Fachkräftemangel, Finanzierungsfragen und Informationsdefizite identifiziert.
In der Gruppenarbeit wurden ausgewählte Blockaden aufgegriffen und in konkrete Zukunftsvisionen überführt. Durch die Verknüpfung von „Herz“- und „Hirn“-Argumenten entstanden lösungsorientierte Perspektiven für die kommunale Wärmewende.
Abschließend wurden Visionen vorgestellt, die unter anderem eine höhere Lebensqualität durch sinkende Energiekosten, mehr kommunale Attraktivität sowie größere Unabhängigkeit und Selbstwirksamkeit betonten. Dabei wurde deutlich, dass erfolgreiche Transformationsprozesse nur dann gelingen, wenn wissenschaftliche Erkenntnisse mit den Lebensrealitäten und Werten der Menschen verbunden werden.


Workshop: Maßnahmen für die Kommune erkennen, bewerten und weiterentwickeln (KOMM-WÄRME, ITAS)
Im Workshop des Arbeitspakets 2 von KOMM-WÄRME stand die Rolle politischer Maßnahmen für das Gelingen der Wärmewende im Mittelpunkt. Denn insbesondere auf kommunaler Ebene ist die Transformation der Wärmeversorgung auf geeignete politische Rahmenbedingungen und Instrumente angewiesen. Wie aber hängen politische Instrumente mit Wärmewende-Entscheidungen für Gebäude zusammen? Diese spannende Frage diskutierten die Teilnehmenden am Thementisch „Kommunale Politikinstrumente für die Wärmewende“, den Dr. Dirk Scheer über einen kurzen Impuls aus dem Verbundprojekt KOMM-WÄRME einführte.


Abschlussdiskussion: Wärmewende als gemeinsame Aufgabe
Im Rahmen der moderierten Abschlussdiskussion stand die Leitfrage im Mittelpunkt, wie unterschiedliche Ebenen und Lösungsansätze besser miteinander verknüpft werden können. Die Teilnehmenden brachten eigene Erfahrungen ein. Diskutiert wurden insbesondere die Rolle der Kommunen, die Bedeutung von Kosten und Vertrauen für die Akzeptanz sowie die Notwendigkeit klarer Kommunikation und einer engen Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Politik.
Ein Schwerpunkt lag auf der Frage der Verantwortungsübernahme. Dabei wurde die zentrale Rolle von Städten und Kommunen als koordinierende Instanzen hervorgehoben.
Weiterhin wurde die Bedeutung finanzieller Aspekte betont. Kosten und wirtschaftliche Anreize gelten als entscheidend für die Akzeptanz von Maßnahmen und müssen daher transparent kommuniziert werden, insbesondere im Hinblick auf Verteilungseffekte und Zeitpunkt von Nutzen.
Auch Vertrauen und langfristige Planung wurden als zentrale Voraussetzungen für erfolgreiche Umsetzung herausgestellt. In diesem Zusammenhang wurden niedrigschwellige Kommunikationsformate wie „Tage der offenen Heizungskeller“ als Möglichkeit für direkten Austausch diskutiert.
Abschließend wurde die Rolle von Wissenschaft und Politik reflektiert. Wissenschaft sollte ihre Erkenntnisse verständlich kommunizieren, ohne politisch vereinnahmt zu werden, während die unterschiedlichen Logiken beider Bereiche einen herausfordernden, aber notwendigen Austausch erfordern.
Zentrale Erkenntnisse und Ausblick
Die Workshops haben gezeigt, dass die Wärmewende weit über technische Lösungen hinausgeht. Sie ist ein komplexer gesellschaftlicher Prozess, der Kommunikation, Beteiligung und passende politische Rahmenbedingungen erfordert.
KOMM-WÄRME leistet hierzu einen wichtigen Beitrag, indem das Projekt wissenschaftliche Erkenntnisse mit praktischen Erfahrungen verbindet und konkrete Ansätze für Kommunen entwickelt. Der Austausch in Berlin hat eindrucksvoll gezeigt, wie wertvoll der interdisziplinäre Dialog ist und wie groß das Potenzial gemeinsamer Lösungen.