11. März 2026 | Gesprächskreis „Kommunale Politikberatung“
In Kommunen werden Herausforderungen wie Klimaschutz, Stadtentwicklung und sozialer Zusammenhalt konkret verhandelt und umgesetzt. Gleichzeitig sind kommunale Entscheidungsprozesse oft von komplexen politischen und institutionellen Rahmenbedingungen geprägt, die die Umsetzung guter Ideen erschweren. Vor diesem Hintergrund widmete sich der Gesprächskreis „Kommunale Politikberatung“ am 11. März 2026 der Frage, wie Wissenschaft, Politik, Verwaltung und Stadtgesellschaft erfolgreich zusammenarbeiten können.

Es gab wertvolle Impulse von Prof. Dr. Elke Pahl-Weber, renommierte Stadtplanerin und ehemalige Innenstadtkoordinatorin der Stadt Hamburg, sowie von Prof. Dr. Uwe Schneidewind, langjähriger Präsident des Wuppertaler Instituts und Oberbürgermeister von Wuppertal. Moderiert wurde die Veranstaltung von der Geschäftsführerin der VDW, Dr. Maria Reinisch. Zusammen beleuchteten sie Hindernisse, Chancen und konkrete Methoden für die kommunale Politikberatung aus der Perspektive von Wissenschaft und Praxis.
Wissenschaftliche Politikberatung zwischen Anspruch und Praxis
Prof. Dr. Elke Pahl-Weber machte deutlich, dass wissenschaftliche Politikberatung nur dann wirksam ist, wenn sie eng an die politischen Prozesse vor Ort anschließt. Sie betonte, dass lokale Verwaltungen viele Entscheidungen nicht eigenständig treffen können und dass Beratung stets über verschiedene Themenfelder hinweg gedacht werden muss. Politikberatung funktioniere nicht über einfache Beteiligung, sondern über Co-Kreation, gegenseitiges Vertrauen und das Verständnis für die Beweggründe der unterschiedlichen Akteure. Sie bezeichnete die Stadt als ein Labor, in dem man ausprobieren und auch mal scheitern dürfe.
Wuppertal als Beispiel kommunaler Transformationspraxis
Prof. Dr. Uwe Schneidewind berichtete von seinen Erfahrungen in Wuppertal, wo Transformationsprojekte trotz struktureller Hindernisse durch strategische Kooperationen, bürgerschaftliches Engagement und aktive Nutzung städtischer Unternehmen umgesetzt wurden. Er zeigte, dass politische und verwaltungstechnische Machtstrukturen oft blockierend wirken. Gleichzeitig können jedoch kreative Lösungen entstehen, wenn relevante Akteure identifiziert, ihre Interessen miteinanderverknüpft und transparente, nachvollziehbare Konzepte präsentiert werden.
Vernetzung, Beteiligung und Umsetzbarkeit
Im anschließenden Dialog zwischen den Expert:innen und den Teilnehmenden wurde deutlich, dass erfolgreiche Politikberatung nur dann wirksam ist, wenn Politik, Verwaltung, Wissenschaft und Bürgerschaft gemeinsam an Lösungen arbeiten und alle Beteiligten ernst genommen werden. Hervorgehoben wurden dabei insbesondere Peer Learning und neue Beteiligungsformate, um Wissen zu teilen und handlungsfähige Netzwerke aufzubauen.
Zugleich wurde betont, dass erfolgreiche Projekte in der Praxis anschlussfähig und konkret sein müssten, Raum für Experimente lassen und die bestehenden Machtstrukturen in Verwaltung und Politik realistisch mitdenken. Prof. Dr. Uwe Schneidewind berichtet in diesem Zusammenhang, dass sein anfänglicher wissenschaftlicher Optimismus in der Praxis schnell an Grenzen gestoßen sei. Inhaltliche Argumente allein, so wurde deutlich, entfalten in politischen Entscheidungsprozessen oft keinen Selbstzweck, sondern eher einen instrumentellen Charakter: Sie wirken meist nur dann, wenn sei in bestehende Interessenlagen, institutionelle Logiken und strategische Konstellationen eingebunden werden können. Auch die Rolle der Medien wurde diskutiert. Prof. Dr. Pahl-Weber betonte, dass sie konstruktiv zur öffentlichen Debatte beitragen können, zugleich jedoch auch eine Herausforderung in politischen Aushandlungsprozessen darstellen.
Anhand von Beispielen aus Paris und Kopenhagen wurde zudem deutlich, dass erfolgreiche Ansätze nicht ohne Weiteres von einer Stadt auf eine andere übertragen werden können. Unterschiedliche Verwaltungsstrukturen, politische Rahmenbedingungen sowie lokale Kulturen tragen dazu bei, dass bestimmte Ansätze in der einen Stadt erfolgreich sind, in einer anderen jedoch nicht.
Die Teilnehmenden brachten eigene Praxiserfahrungen in die Diskussion ein. Diskutiert wurde, wie Verwaltungsmitarbeitende für nachhaltige Transformation motiviert werden können, welche Rolle Verwaltungsreformen spielen und wie wissenschaftliche Expertise stärker und wirksamer in kommunale Entscheidungsprozesse eingebunden werden kann.
Was kommunale Politikberatung wirksam macht
Die Veranstaltung zeigt, dass Co-Kreation zwischen Politik, Verwaltung, Wissenschaft und Bürgerschaft ein zentrales Element erfolgreicher kommunaler Transformation ist. Darüber hinaus wurde der Bedarf nach mehr Forschung zu partizipativen Dialogformaten zwischen verschiedenen Akteuren betont. Themen sollten so gerahmt und miteinander verknüpft werden, dass sie für unterschiedliche Zielgruppen relevant und anschlussfähig sind, etwa indem Nachhaltigkeit mit anderen politischen oder gesellschaftlichen Handlungsfeldern verbunden wird. Durch ein solches Framing können mehr Akteure erreicht und Themen aus mehreren Perspektiven zugänglich gemacht werden. Zudem spielt zivilgesellschaftliches Engagement eine zentrale Rolle, ebenso wie der kontinuierliche Austausch und das gegenseitige Lernen zwischen Wissenschaft und Praxis.
Für die Vereinigung Deutscher Wissenschaftler ergibt sich daraus die Aufgabe, ihre Rolle künftig verstärkt darin zu sehen, Wissenschaft und Politik enger miteinander zu verbinden und interdisziplinäres Wissen für kommunale Entscheidungsprozesse nutzbar zu machen