Bericht | Exkursion: Grasland und seine Potentiale für Bodenfruchtbarkeit, Klimaentlastung und Biodiversität | 20. & 21. Mai 2026 | Versuchsbetrieb Lindhof

Was und wie kann die Landwirtschaft zur Klimaentlastung und der Vielfalt der Tier- und Pflanzenarten beitragen?

Die Studiengruppe One Health-One Earth der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler (VDW) und der Agar- und Ernährungswissenschaftlichen Fakultät der Universität Kiel haben vom 20.-21. Mai zur Klärung dieser Fragen auf den Lindhof, dem Versuchsgut der Universität Kiel, eingeladen.

Wissenschaftler aus den Bereichen Klima, Artenvielfalt und Landwirtschaft, Vertreter der Politik, Landwirte und Vertreter von Naturschutzverbänden und Fachorganisationen berieten über diese Fragen erfolgreich.

Eine Bemerkung mit Impact: die Gesundheit von Menschen, Tieren, Pflanzen und Mikrobiomen ist eng miteinander verbunden und abhängig voneinander: One Health-One Earth. Wir müssen daher für die Resilienz und Gesundheit unserer Lebensgrundlagen sorgen. Mit dieser Prämisse wurde das Instrumentarium der Treibhausgasminderung und damit der Klimaentlastung im sog. Sektor Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft (LULUCF) geprüft.

Aktuell werden die Moore und die Wälder genannt, wenn es darum geht, mehr CO² in ihren Systemen festzulegen. Das ist gut so.

Doch der Sektor “Landnutzung, Landnutzungsänderung, Forstwirtschaft (LULUCF)“ muss mehr leisten. Laut Klimaschutzprogramm (KSP) der Bundesregierung von 2026 beträgt die Zielverfehlung der CO² Kohlenstoffbindung (C-Sequestierung) dieses Sektors, also die Differenz der prognostizierten CO² Emissionen minus des Festlegungspotentials für 2030 bereits 57 Mio. Tonnen CO², mit steigender Tendenz.

Also, muss gefragt werden, mit welchen Maßnahmen das Festlegungspotenzial der mineralischen Böden und damit auch des Grünlands gefördert werden kann.

Und da kommen das Grünland und die Beweidung ins Spiel. Mit Maßnahmen zur stärkeren Berücksichtigung des Grundfutters vom Weideland in der Milchviehhaltung, einer vielfältigen Pflanzenwahl (Gräser, Kräuter, Leguminosen) und einem angepassten Weidemanagement lassen sich einige Potentiale der Landwirtschaft zur Klimaentlastung und Förderung der Artenvielfalt heben.

Was ist zu tun? Es gilt, die bisher unterschätzten Beiträge der mineralischen Böden, des Grünlands und der Beweidung in der fachwissenschaftlichen Diskussion zu klären und in die Praxis zu bringen. Und ebenso ist die Bodenhumuswirtschaft zu stärken. Was früher galt, also weite Fruchtfolgen, Nutzung von Leguminosen, Einsatz organischen Düngers, gilt heute umso mehr.

Wir können und müssen die Agrarsysteme für die Zukunft integrativ-ganzheitlicher sehen. Schutz und Förderung der Gesundheit und damit Leistung der Tiere, Pflanzen Böden – mit dieser Zielebene gehen neue Wege, ein Paradigmenwechsel, einher.

Also, weg von der einseitigen Ausrichtung einer spezialisierten Tierhaltung auf sehr hohe Milchleistung der Tiere. Hin zu Betrieben, die mit einer angepassten Landnutzung das Klima entlasten, die Vielfalt der Arten und die Bodenfruchtbarkeit fördern.

Und wir brauchen eine Förderpolitik, die die Weidehaltung unterstützt. Und Betriebe, die es umsetzen. Und Versuchshöfe wie den Lindhof der Universität Kiel, die mit ihren Versuchen die Daten für die Landwirtschaftszukunft liefern.

P. Markus, 31.05.2026