Bericht: Von Empörung zu Resilienz – Demokratie gemeinsam gestalten | 14. Juli 2026 | In 55 Minuten auf den Punkt mit Dr. Edelgard Bulmahn

In Zeiten zunehmender gesellschaftlicher Polarisierung, gezielter Desinformation und wachsender Angriffe auf die Wissenschaftsfreiheit, in Deutschland aber auch weltweit, kommt es auf uns alle an. Nur gemeinsam können wir unsere Demokratie resilient gestalten, Verantwortung übernehmen und unsere freiheitlich-demokratischen Grundwerte schützen.

Genau darüber diskutierte die ehemalige Bundesministerin, frühere Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages sowie derzeitiges VDW-Vorstandsmitglied Dr. h.c. Edelgard Bulmahn gemeinsam mit über 70 Teilnehmenden im Rahmen unseres Formats „In 55 Minuten auf den Punkt mit…“ Moderiert wurde die Veranstaltung von der Geschäftsführerin der VDW, Dr. Maria Reinisch.

Frau Bulmahn berichtete dabei aus ihrer langjährigen Erfahrung an der Schnittstelle von Politik, Wissenschaft und Gesellschaft und zeigte auf, was demokratische Resilienz bedeutet, wie wir diese auf institutioneller aber auch individueller Ebene stärken können.

Demokratie Üben

Für Bulmahn bedeutet Resilienz vor allem eines: Widerstandskraft, die Fähigkeit, Vorurteilen, Vereinfachungen, Desinformation und Angriffen auf demokratische Grundwerte engagiert entgegenzutreten. Sie betonte die Bedeutung des Grundgesetzes als Fundament unserer Demokratie. Zugleich machte sie deutlich, dass das Grundgesetz allein keine lebendige, starke Demokratie garantiere. Demokratie müsse tagtäglich gelebt, aktiv verteidigt und immer wieder neu eingeübt werden. Dafür brauche es engagierte Bürgerinnen und Bürger ebenso wie Politik und Wissenschaft.

Wissenschaftsfreiheit schützen

Als Beispiele für institutionelle Resilienzmechanismen nannte Bulmahn die Fünf-Prozent-Hürde im Wahlrecht, die starke Position des Bundesverfassungsgerichts als Hüter des Grundgesetzes, politische Gegenbewegungen sowie aktuelle Beschlüsse der DFG, der MPG und der Wissenschaftspolitik. So hätten sowohl die Wissenschaftsministerkonferenz der Länder als auch die GWK vor kurzem entschieden, das bisher geltende Einstimmigkeitsprinzip in bestimmten Fällen aufzuheben. Bei politisch obstruktivem Verhalten einzelner Länder könnten künftig Beschlüsse auch mit den Stimmen von 13 Ländern getroffen werden. Dadurch sollten Blockaden einzelner Länder verhindert und die Handlungsfähigkeit der Wissenschaftsministerkonferenzen gewahrt bleiben, um die Resilienz und Handlungsfähigkeit des Wissenschaftssystems zu stärken und abzusichern. Mit Blick auf aktuelle Entwicklungen warnte Bulmahn eindringlich vor politischen Angriffen auf Wissenschaft und Forschung, wie sie die Parteiprogramme und Anträge der AFD im Bundestag erwarten ließen und verwies in diesem Zusammenhang auf die gegenwärtige Situation in den USA, wo wichtige Forschungsfelder etwa in der Medizin, der Klimaforschung oder der sozialwissenschaftlichen Forschung finanziell und personell ausgeblutet würden. Ihr eindringliches Plädoyer: Wissenschaftsfreiheit sei keine Selbstverständlichkeit, sondern müsse durch verlässliche institutionelle Rahmenbedingungen, durch Solidarität und Unterstützung sowie persönliches Engagement geschützt werden.

Allianzen für die Wissenschaft

Neben starken Institutionen komme es vor allem auf die Menschen selbst an. Gerade Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler seien zunehmend persönlichen Angriffen und Diffamierungen ausgesetzt. Dem müsse mit öffentlicher Solidarität begegnet werden. Aus ihrer langjährigen politischen Erfahrung heraus betonte Bulmahn die Bedeutung von Allianzen und Unterstützungsnetzwerken wie auch die Bereitschaft zu Kompromissen als zentrale Voraussetzungen für eine resiliente Demokratie. Zudem sei eine verlässliche, ausreichende Grundfinanzierung der Hochschulen unverzichtbar, um resilient zu bleiben. Nur so könne Wissenschaft ihre Unabhängigkeit bewahren und sich gegen politische Einflussnahme sowie finanzielle Abhängigkeiten behaupten.

Resilienz im Dialog

In der anschließenden Diskussion standen zahlreiche aktuelle Herausforderungen im Mittelpunkt. Die Teilnehmenden diskutierten unter anderem über den Schutz der Wissenschaftsfreiheit, die Wichtigkeit des Erhalts offener Debatten an Hochschulen aber auch über die massiven Angriffe auf unsere Demokratie, die politischen Institutionen und grundgesetzlich gesicherte Rechte. Ihr Appell lautete, sich von politischen Rückschlägen nicht entmutigen zu lassen. Entscheidend seien Engagement, Ausdauer, Geduld und die Fähigkeit, Mehrheiten für gemeinsame Lösungen zu gewinnen.

Was sollten wir aus den 55 Minuten unbedingt mitnehmen?

„Suchen Sie sich Verbündete, bleiben Sie engagiert und resignieren Sie nicht!“

Neugierig geworden? Schauen Sie sich den vollständigen Vortrag von Dr. Edelgard Bulmahn an.

Zum Format „In 55 Minuten auf den Punkt mit …“

„In 55 Minuten auf den Punkt mit…“ präsentieren renommierte Wissenschaftler:innen aktuelle Themen aus Forschung und Gesellschaft in kompakten 55 Minuten, genau passend für die Mittagspause.

Überblick über das Format und die weiteren Veranstaltungen der Reihe.