Frieden ist mehr als der Gegenbegriff von Krieg. Frieden verweist als Zielperspektive von Politik und Gesellschaft nicht nur auf die Einhegung willkürlicher Gewalt, sondern auch auf den Abbau bestehender Ungerechtigkeiten.

Der Gründungsakt der VDW beruht auf der Göttinger Erklärung von 1957, dem Zusammenschluss von Wissenschaftlern gegen die atomaren Rüstungspläne der Bundeswehr, bei der sie sich gleichzeitig zur Friedenspolitik bekannten: Eine Politik, die sich zum Ziel setzt, Konfliktverhalten dauerhaft und weltweit zu zivilisieren.

Die Vereinigung Deutscher Wissenschaftler e.V. trägt dazu bei, indem sie sich dafür einsetzt, dass WissenschaftlerInnen sich in der Forschung der Risiken und ihrer Verantwortung bewusst sind. Dieses Bewusstsein soll dazu beitragen, dass Gefahren für Mensch und Umwelt abgewendet oder vernichtet werden. Wie Carl Friedrich von Weizsäcker, Gründungsmitglied der VDW, sagte:

„Ich wage eine optimistische These, wenn die Wissenschaft die Gefahren für das Überleben der Natur erzeugt, so wird genau auch die Wissenschaft erkennen können, wie diese Gefahren vermieden oder überwunden werden können.“[1] Er sagte aber auch: „Entweder wir schaffen den Krieg ab oder der Krieg schafft uns ab.“[2]

Abrüstung

Seit ihrer Gründung setzt sich die VDW für Abrüstung ein. Dabei bedeutet Abrüstung den Abbau oder die vollständige Vernichtung von Waffenarsenalen. Meist geschieht dies nicht unilateral, sondern in multilateralen Übereinkommen. Der Vertrag über die Nichtverbreitung von Kernwaffen (NVV) von 1968 ist einer der wichtigsten Abrüstungsübereinkommen. Mittlerweile haben ihn 190 Staaten ratifiziert, wodurch sie sich zur vollständigen nuklearen Abrüstung, den Nicht-Erwerb von Kernwaffen und zur friedlichen Nutzung von Kernenergie verpflichten.[3]

Laut dem aktuellen Koalitionsvertrag von 2018 setzt sich die Bundesregierung für die weltweite Abrüstung aller Massenvernichtungswaffen ein und legt als ausdrückliches Ziel eine nuklearwaffenfreie Welt fest: „Wir setzen uns entschlossen für die weltweite verifizierbare Abrüstung von allen Massenvernichtungswaffen ein. Ziel unserer Politik ist eine nuklearwaffenfreie Welt.“[4] Trotzdem sind sowohl die Militärausgaben als auch die Rüstungsexporte in den letzten Jahren tendenziell gestiegen. Laut des Finanzplans des Bundesverteidigungsministeriums soll das Budget von 35,1 Mrd. Euro auf 44,8 Mrd. Euro kontinuierlich bis 2022 ansteigen (also von 1,2% auf 1,41% des BIP)[5].

Aufgrund der weltweiten Aufrüstungstendenzen werden Rüstungskontrollen zu einem immer wichtigeren Instrument für den Ausbau und die Sicherung des Friedens. Rüstungskontrollen basieren auf Rüstungskonventionen, die das Einsetzen von Nuklear-, Chemie, oder biologischen Waffen verbieten. Um die Einhaltung dieser Konventionen zu garantieren, sind nicht nur die Vertragsstaaten gefordert, sondern auch Nichtregierungsorganisationen und die Zivilgesellschaft, die sich für die Einhaltung, Weiterentwicklung und Erneuerung der Verträge einsetzen. Dies zeigt, wie entscheidend die Expertise der VDW auch in Zukunft beim Thema Abrüstung ist.

VDW zu Frieden und Abrüstung

Im Zeitalter der Atombomben und der zunehmenden Technisierung der Kriegsführung sind Frieden und Abrüstung nicht nur hochaktuell, sondern fordern auch zum Handeln auf. Die VDW widmet sich dem Themenkomplex mit der Studiengruppe: „Herausforderungen für gemeinsame Sicherheit und Frieden in Europa“. Darüber hinaus verkörpert die VDW die deutsche Pugwash-Sektion. Für Pugwash als auch für die VDW sind Frieden und Abrüstung Gründungsthemen. Methodisch gibt es einen gemeinsamen Ansatz von VDW und Pugwash: Abrüstung durch wissenschaftliche Aufklärung der Politik und Gesellschaft über Konsequenzen und Risiken atomarer Waffen.

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Quellennachweise

[1] Manfred Ronzheimer: Carl Friedrich von Weizsäcker. Kernphysiker und Friedensforscher, in: TAZ Die Tageszeitung, 07.07.2012 (URL: http://www.taz.de/!5089651/ zuletzt aufgerufen am 25.09.2018).

[2] Horst Afheldt: Kalter Krieg, Rüstung, Rüstungskontrolle und die Vereinigung Deutscher Wissenschaftler, in: Stephan Albrecht u.a. (Hrsg.): Wissenschaft, Verantwortung, Frieden: 50 Jahre VDW; Berliner Wissenschaftsverlag, Berlin 2009, S. 297.

[3] Wissenschaftlicher Dienst des Europäischen Parlaments: Vertrag über die Nichtverbreitung von Kernwaffen (NVV). Sachstand, 11.04.2016 (URL: http://www.europarl.europa.eu/thinktank/de/document.html?reference=EPRS_IDA%282016%29580905).

[4] Koalitionsvertrag der CDU, CSU und SPD, 19. Legislaturperiode, 14.03.2018 (URL: https://www.bundesregierung.de/Content/DE/StatischeSeiten/Breg/koalitionsvertrag-inhaltsverzeichnis.html) S. 148.

[5] Claudia Baumgart-Ochse (Red.): 2018/Krieg ohne Ende. Mehr Diplomatie – weniger Rüstungsexporte/friedensgutachten, LIT Verlag, Berlin 2018, S. 90.

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